Tauchlehrkräfte führen Behinderte zum Brevet

 

Einst verboten, heute Normalität    

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Küsnacht ZH (sda) Bis vor rund 10 Jahren galt für Behinderte ein Tauchverbot. Heute haben 200 bis 300 Behinderte ein Brevet. Die 1993 gegründete "International Association for Handicapped Divers" (IAHD) bildet Behindertentauchlehrer aus.
Acht aktive Behindertentauchlehrer gibt es in der Schweiz, sagt Hans-Jürg Brönnimann von IAHD Schweiz, Yvette Kohler ist eine. Laut dem Leiter einer Tauchschule im bernischen Laupen wurden zudem fünf Partnerinnen oder Geschwister von Behinderten - so genannte Spaziergänger - ausgebildet.

Mit ihnen können Blinde, Taube, Gelähmte, Amputierte und Paraplegiker problemlos abtauchen. Auch Tetraplegiker schwärmen davon, dass sie sich im Wasser nicht schwer wie Blei fühlen. Bedenken hat Kohler aber bei geistig Behinderten oder Personen mit multipler Sklerose, da die Krankheit schubweise kommt.
Ob jemand tauchen kann, hängt von der Art und Stärke seiner Behinderung ab, sagt Brönnimann. Tabu ist der Sport für Rückenmarkgeschädigte, die ihre Atmung nicht kontrollieren können, für Epileptiker und für Personen mit Hirnschäden, die epileptische Anfälle auslösen können.
Welche Behinderungen es gibt und wie sich deren Symptome aufs Tauchen auswirken, lernen die angehenden Behindertentauchlehrer im theoretischen Teil ihrer Ausbildung. Im praktischen Teil gehen sie mit Handicapierten ins Hallenbad oder in den See.
Dort geht es ums Verhalten im Wasser, aber auch darum einzuschätzen, welche Plätze geeignet sind. Viele Behinderte seien im Wasser selbstständiger als an Land, sagt Brönnimann. Dies sei gerade für die Partner von Behinderten eine neue Erfahrung.

Der Grad an Selbstständigkeit wirkt sich auf das Brevet aus, das Behinderte erlangen können. Das Ein-Stern-Brevet erhält, wer fähig ist, die eigene und die Sicherheit des Partners zu gewährleisten. Zwei-Stern-Brevet-Taucher können für sich, aber nicht für den Partner sorgen. Taucher mit dem Drei-Stern-Brevet sind vollständig auf Hilfe angewiesen.

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